
Xi Jinping wirbt bei einer großen Konferenz in Shanghai für ein chinesisches Gegenmodell zur US-Dominanz bei KI. Staaten sollen sich dafür vermehrt zusammenschließen.
Сhinas Staatspräsident Xi Jinping hat sein Land bei seinem ersten Auftritt auf der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz in Shanghai als Vorreiter einer offenen, weltumspannenden KI-Ordnung präsentiert. Damit will das Land offenbar auch ein Gegengewicht zu den USA aufbauen.
"Die Entwicklung von KI sollte keine Solo-Leistung eines einzelnen Landes sein, sondern eine Symphonie internationaler Zusammenarbeit", sagte Xi am Freitag zur Eröffnung der viertägigen Konferenz.
Er warnte davor, das Konzept nationaler Sicherheit im KI-Bereich zu weit auszudehnen. Die Sicherheit eines Landes dürfe nicht über die anderer gestellt werden. Zugleich forderte er eine stärkere Regulierung durch Gesetze, technische Überwachung sowie Frühwarn- und Notfallsysteme, damit die Technologie "stets unter menschlicher Kontrolle" bleibe.
Er rief die Staaten laut Xinhua auf, "die seltene und historische Chance" von Open-Source-KI zu ergreifen, und warnte vor "neuen historischen Ungerechtigkeiten" durch ungleichen Zugang zur Technologie.
Neues Bündnis mit fast 30 Staaten
Bereits am Vortag hatten der chinesische Außenminister Wang Yi und Vertreter aus 29 Ländern, darunter Russland, Brasilien, Indonesien und Pakistan, in Shanghai die Gründung einer "World AI Cooperation Organization" vereinbart.
Offizieller Zweck des Bündnisses ist laut der Nachrichtenagentur AFP, die Förderung von Konsultationen und Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern Sicherstellung einer "gesunden und geordneten" Entwicklung von KI voranzubringen und globale KI-Governance "durch Dialog und Kooperation statt Spaltung" zu betreiben. Xi sprach laut Bloomberg von einem "wichtigen Meilenstein".
Nach Einschätzung der Financial Times will Peking über das neue Gremium Einfluss auf internationale Standards nehmen und Staaten des Globalen Südens enger an sich binden. Bei einem Treffen mit dem kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew bot Xi laut dem Blatt an, digitale und KI-Technologien mit dem zentralasiatischen Land zu teilen.
Konkrete Finanzzusagen machte der Präsident dagegen nicht. In Aussicht stellte er lediglich 5000 Schulungsangebote für Fachkräfte aus weniger entwickelten Staaten.
Chinesische Modelle holen gegenüber den USA auf
Chinesische KI-Systeme liegen nach Einschätzung von Fachleuten nur noch knapp hinter den führenden US-Modellen. Auf der Vermittlungsplattform OpenRouter erreiche der Anteil chinesischer Modelle an der KI-Nutzung amerikanischer Firmen fast 60 Prozent, berichtete der Finanzdienst Bloomberg.
Auch europäische Konzerne wie Siemens sowie die US-Unternehmen DoorDash und Airbnb setzen laut Financial Times auf Anwendungen aus der Volksrepublik - vor allem, weil diese günstiger und teils leichter in eigene Infrastruktur einzubinden seien.
Zu den führenden chinesischen KI-Modellen zählen unter anderem Qwen von Alibaba, die Modelle des Labors DeepSeek sowie Kimi K3 des Start-ups Moonshot AI.
Peking will landesweites Netz von Rechenzentren schaffen
Um die eigene Position auszubauen, hat China laut Bloomberg über fünf Jahre umgerechnet rund 295 Milliarden Dollar für ein landesweites Netz vernetzter Rechenzentren eingeplant. Zum Vergleich: Allein die US-Konzerne Meta und Microsoft geben in diesem Jahr zusammen mehr als 725 Milliarden Dollar für KI aus.
Parallel wächst in Washington die Sorge vor sicherheitsrelevanter Verbreitung leistungsstarker Modelle. Die US-Regierung habe zuletzt amerikanische Labore wie Anthropic gedrängt, den Zugang zu ihren stärksten Systemen für ausländische Nutzer einzuschränken, berichtete Bloomberg.
Ein weiteres Treffen zwischen Xi und US-Präsident Donald Trump ist demnach für September geplant - das KI-Rennen soll dabei Thema sein.
Originalbeitrag Berliner Zeitung